Ob eine Fehlbetankung mit einer kleinen Rechnung endet oder mit einem wirtschaftlichen Totalschaden, hängt von zwei Dingen ab: welche Flüssigkeit in welchem Motor gelandet ist und wie weit sie gekommen ist.
Der Weg des Kraftstoffs
Vom Tank fördert eine elektrische Pumpe den Kraftstoff durch den Filter zur Hochdruckpumpe. Die verdichtet ihn und schickt ihn über eine gemeinsame Leitung, das Rail, zu den Injektoren. Überschüssiger Kraftstoff fließt über den Rücklauf zurück in den Tank.
Dieser Rücklauf ist der Grund, warum Schäden sich ausbreiten: Was in der Hochdruckpumpe entsteht, landet wenig später überall im System.
Benzin im Diesel: Schaden durch fehlende Schmierung
Diesel schmiert, Benzin löst. Die Hochdruckpumpe eines modernen Diesels arbeitet mit über 2.000 bar und wird allein vom Kraftstoff geschmiert. Mit Benzin im Gemisch reißt der Schmierfilm, Metall läuft auf Metall.
| Betroffenes Bauteil | Was passiert | Größenordnung der Kosten |
|---|---|---|
| Hochdruckpumpe | Verschleiß, Spänebildung | ab etwa 1.500 € |
| Injektoren | Späne setzen die Düsen zu | 200 bis 400 € pro Stück |
| Leitungen, Rail, Tank | müssen gereinigt oder getauscht werden | 300 bis 600 € und mehr |
| Partikelfilter | unverbranntes Gemisch belastet den Filter | je nach Modell erheblich |
Ein Beispiel aus unserem Alltag: Ein VW Passat TDI fuhr mit rund acht Prozent Benzinanteil drei Kilometer. Ergebnis: Hochdruckpumpe defekt, vier Injektoren getauscht, Partikelfilter verunreinigt, Rechnung der Werkstatt gut 4.000 Euro. Abpumpen vor dem Start hätte einen Bruchteil gekostet.
Alles Weitere dazu: Benzin in Diesel getankt.
Diesel im Benziner: Schaden durch schlechte Verbrennung
Hier ist das Problem umgekehrt. Diesel schmiert hervorragend, brennt im Ottomotor aber nicht sauber. Die Folgen zeigen sich im Brennraum und im Abgas:
- Zündkerzen verrußen, der Motor läuft auf weniger Zylindern.
- Unverbrannter Diesel gelangt in den Katalysator und kann ihn überhitzen.
- Lambdasonden verschmutzen und liefern falsche Werte.
- Bei Direkteinspritzern können die Injektoren verkleben.
Der Motor selbst übersteht das meist. Details und Sofortmaßnahmen: Diesel in Benziner getankt.
AdBlue im Diesel: Schaden durch Wasser und Kristalle
AdBlue ist zu zwei Dritteln Wasser. Im Kraftstoffsystem bedeutet das Korrosion an Bauteilen, die nie für Wasser gedacht waren. Der Harnstoff kristallisiert zusätzlich zu harten, weißen Ablagerungen. Weil AdBlue schwerer ist als Diesel, sammelt es sich am Tankboden und wird als Erstes angesaugt. Mehr dazu: AdBlue falsch getankt.
Ab wann wird es teuer?
Als Faustregel aus unseren Einsätzen:
- Nur getankt: kein Schaden, Abpumpen genügt.
- Zündung an: Gemisch in den Leitungen, Spülen nötig, in aller Regel folgenlos.
- Kurz gelaufen, keine Symptome: meist folgenlos, Filter prüfen.
- Gefahren bis zu Symptomen: Risiko für Folgeschäden steigt deutlich, Werkstattkontrolle sinnvoll.
- Weitergefahren trotz Symptomen: Folgeschäden wahrscheinlich.
Jede Stufe, die Sie nicht erreichen, spart Geld. Deshalb ist der wichtigste Rat so unspektakulär: Motor aus lassen und anrufen.
